Am Anfang was das große Hängen… (so nennt man es, wenn Rüde und Hündin kleine Puppy’s machen)
Das hatte Folgen… (viele kleine Puppy’s)
Und was dann folgte… (ein Magic-Puppy)
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Es begann am 24.04.2008. Ein kleiner Eisbär, der kaum so lang war wie sein Name -Crystal Moon’s Magic Masterpiece-, erblickte im niederländischen Veldhoven das Licht der Welt. Als einziger Rüde, aber mit zwei gewichtigen Schwestern, entwickelte er bereits früh eine Überlebensstrategie, die er bis heute beibehalten hat:

- leg dich nicht mit Frauen an und
- friss so schnell du kannst.

Neben seinen beiden Schwestern und seiner Mutter, gab es in dem großen Rudel noch einige Tanten und Onkel, sowie eine weitere 10köpfige Eisbärenbande mit sehr viel Temperament. Dank so vieler Eindrücke ist aus Magic ein sehr freundlicher Rüde mit großer sozialer Kompetenz geworden. Das heißt nun nicht, dass er sich alles gefallen lässt, oh nein. Als aufstrebender Jungrüde versucht er seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Dazu gehört dann auch sein Revier nach außen hin zu klarzustellen (Übersetzung ins Rüdische: Beinchen heben wann und wo immer es geht bzw. erlaubt ist), anderen Rüden Grenzen zu setzen (Übersetzung: ich mach mich groß und markier den dicken Macker) und auch mal ein paar auf die Schnauze zu geben (Übersetzung: auf ihn mit Gebrüll) und zu bekommen (Übersetzung: Sch…., der wehrt sich). So wie das Leben nun mal spielt. Dass er im Rudel nur wenig zu sagen hat verschweigen wir hier mal. Unser Ilvchen, uneingeschränkte Chefin des Rudels, ist so rücksichtsvoll, ihn dass nicht merken zu lassen... naja, zumindest meistens.

Zurück zu den Anfängen...

Magic war in dem großen Hunderudel ein sehr unauffälliger Welpe. Auch war er bei unserem ersten Besuch mit 4,5 Wochen ein Welpe, den man sich –so wie es in der einschlägigen Literatur immer empfohlen wird- wohl eher nicht ausgesucht hätte. Er war zwar unerschrocken, aber nicht wirklich an mir und Sohnemann Vinzenz interessiert. Er ging, kaum dass man ihn auf den Arm nahm und beschäftigte sich mit anderen Dingen. So wirklich menscheninteressiert wurde er nur, wenn es ums Fressen ging. Ich hatte Magic trotz dieses Verhaltens in mein Herz geschlossen, da er ansonsten einen normalen Eindruck machte. Ich hatte das Gefühl, er war noch nicht bereits für eine innigere Beziehung (wer lässt sich schon beim ersten Date auf die erstbeste Frau ein). Heißt es nicht überall, Jungs sind Spätzünder? Yvette, seine Züchterin, war schon ein wenig traurig dass er sich so verhielt. Doch ich war guter Dinge und beim nächsten Besuch, zwei Wochen später, hatte ich einen Hund, der war wie ausgewechselt. Ein kleiner, kräftiger Rüde, der zwar immer noch nicht auf ständige Knuddelei stand, sich aber auf den Arm nehmen ließ und dem Menschen sehr aufgeschlossen gegenüber stand. Na also, da hatte das Herz mal wieder recht und Yvette ganz Arbeit geleistet.

Er kommt, er kommt…

Am 21.06.2008, an meinem xten Geburtstag, habe ich mir mein Geburtstagsgeschenk abgeholt. Gemeinsam mit Vinzenz und „Tante“ Edda holten wir „Little Magic“ nach Hause. Die beiden Mädels schauten ein wenig verdutzt nach dem Motto „Wie, jetzt schon Welpen? Die sind doch erst für nächste Woche angesagt!“ (zur Erklärung: Beverly war trächtig und keiner kannte so wirklich den Wurftermin, da sie eine Woche beim Rüden war). Magic hat sich bestens ins Rudel eingegliedert: wir haben zur Begrüßung gegrillt und er war sehr interessiert. Beverly, die in Magic’s erster Nacht bereits ihre Welpen bekommen hat, adoptierte den jungen Mann direkt mit. Was sind schon 8 ½ Wochen Altersunterschied bei Welpen :-))). So entstand eine innige Beziehung zwischen Beverly und ihrem Ziehsohn Magic die bis heute hält. Die beiden toben immer noch sehr gerne und ausdauernd miteinander. Ilvchen, die Queen Mum des Rudels, griff von Beginn an bei dem jungen Mann mit strenger Pfote durch. So wurde aus dem kleinen Temperamentsbündel ein großes Temperamentsbündel mit –relativ- guten Rudelmanieren.

Auf dem Weg zum Begleithund…

Zu Beginn seiner Karriere als mein persönlicher Begleithund musste Magic bereits in jungen Wochen mein Hella-Heu (Isländer) kennen lernen. Schließlich sollte er irgendwann einmal neben diesem hertraben. Anfangs besuchte er -sicher an meiner Seite- die großen Wiesen und konnte Hella und ihre Kumpanen von weitem sehen. Nach und nach haben wir uns unbefangen diesen großen Tieren genähert. Im Stall durfte er in sicherer Entfernung liegen, während ich mich mit meinem Pferd beschäftigt habe. Nur für die Fotos wurde Magic genötigt, seine eigene Hemmschwelle zu übertreten. Das ist auf den Fotos sehr deutlich zu sehen.

Hella verfügte bereits aus den vergangenen Jahren über gute Erfahrungen mit unseren anderen Hunden. So konnte ich mir sicher sein, dass sie nie absichtlich irgendetwas Unfreundliches gegenüber meinem Hund tun würde. Die besten Voraussetzungen für eine zukünftige Freundschaft. Da Magic lange Zeit nicht ruhig liegen bleiben konnte musste er angebunden werden. Getreu dem Motto: lieber immer in sicherer Entfernung angebunden als einmal unter die Hufe kommen und „Aua“. Nachdem er sich nach einigen Wochen völlig unbefangen in und um die Pferde herum bewegte gab es vorerst „am Pferd“ nichts mehr zu tun.

So widmete ich mich weiter Magic’s Grunderziehung, die nicht so recht voran ging. Ich habe Magic anfangs über Futter erzogen. Da er immer sehr verfressen war (und immer noch ist) sah ich darin die einfachste und effektivste Methode. Doch wirklich fruchtbar und nachhaltig, vor allem was die Leinenführigkeit anging, war das nicht. Im Winter 2008/2009 kam die Wende. Ich besuchte den Vortrag eines bekannten Schweizer Hundetrainers und lernte dort sehr viel darüber, wie ein Hund tickt. Und vor allem lernte ich, dass Futtergeben wenig mit Erziehung zu tun hat. Neben vielen weiteren Dingen, die mir vor Augen führten, warum meine bisherigen Erziehungsversuche missglückten, bekam ich aber auch einige Bestätigungen. So z.B., dass ich –mittlerweile- sehr wenig von sog. Welpenspielgruppen halte. Ich habe dort immer eine Menge Stress festgestellt. Auch gab es zu wenig Grenzen weil z.B. Alttiere fehlten und alle Zweibeiner daneben standen: die regeln DAS unter sich. Wenn ich daheim unser kleines Rudel beobachtete sah und sieht das anders aus, vor allem auch in der Welpenzeit. Da gab es einerseits Freiräume für jeden Hund. Andererseits gab es klare Grenzen, die mehr als deutlich (zumindest für Außenstehende) aufgezeigt wurden.

Ein gutes Beispiel ist hier die Beziehung Magic-Ilva w/ Futter. Magic musste anfangs wegen seiner totalen Verfressenheit zur Fütterungszeit an die Leine. Er war so schnell, dass der Napf schon fast leer war bevor er überhaupt auf dem Boden stand. Als wir ihn noch nicht angeleint hatten (man glaubt ja an das Gute im Hund) hat sich Magic, kaum dass sein Napf leer war, an die Näpfe der beiden Mädels rangemacht. Bei Beverly durfte er das noch. Bei Ilva gab es einen kurzen, heftigen Protest (riesiges Geschrei/ Geknurre; fliegende Haarfetzen und anschließend einen Magic, der unterm Holzboden kroch). Effekt des Ganzen: er hat sich NIE WIEDER an Ilva’s Napf gewagt. Für mich war das sehr beschämend, denn ICH konnte machen was ich wollte, ER tat was er wollte.

Aus dem sehr intensiven Vortrag des Hundetrainers (und Ralfs Erfahrungen aus einem einwöchigen Seminar in der Schweiz) habe ich für mich (und für Magic) einige Konsequenzen gezogen. Kein Stückchen Futter beim Training!!! Viel Ruhe!!! Und ein Kommando!!! Das erste Kommando war „Sitz“, mehr nicht. 10 Minuten sitzen am Stück, uuuuuuuuaaaaaaaaaahhhhhhhhhhh ist das langweilig. Aber es funktioniert!!! Klar war ich nicht so konsequent wie gefordert. Auch habe ich nicht täglich 1 ½ Stunden Zeit mit meinem Hund zu trainieren. Doch selbst die kurze Zeit am Abend hat uns riesige Fortschritte gebracht. Und dann klappte auch das Leinegehen deutlich entspannter. Klar habe ich einen temperamentvollen Hund der sich freut wenn ich die Leine in die Hand nehme. Aber ich habe einen Hund, der sich ohne Gebelle freut, der weiß dass er sich setzen muss damit er überhaupt die Leine anbekommt. Und DAS habe ich ihm nicht beibringen müssen. DAS sind Effekte aus einem Kommando: „Sitz“. Ich muss meinen Hund nicht mehr beim Füttern an die Leine nehmen. Ich muss meinen Hund auf der Wiese oder im Stall nicht mehr an die Leine nehmen. Ich kann ihn ablegen und er bleibt. Auch wenn ich nicht in Sichtweite bin. Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Grundsätzlich bleibt bei ihm zu sagen, dass er einen ausgeprägten Jagdtrieb hat. D.h. für mich, wenn er draußen frei läuft, muss ich immer schauen, ob sich ein Objekt der Begierde zeigt und früher als mein Hund handeln. Handeln heißt, ihn entweder bei Fuß zu rufen, oder ihn an die Leine zu nehmen. Und sobald ich mir seiner nicht sicher bin kommt er an die Leine. Lieber einmal zu viel als auch nur einmal den Jagdtrieb erfolgreich ausgelebt. Beliebte Jagdobjekte sind vor allem Katzen. Trotz eigener Katzen und ständiger Konfrontation an der Leine dreht Magic bei Katzen auf. Leider ist zu Hause noch keine sitzen geblieben und hat die Krallen ausgefahren. Schließlich ist er lernfähig und ein paar Kratzer auf der Nase tun höllisch weh. So heißt das für mich: Katze im Blick, Hund unter Kontrolle bringen. Aufgrund dieser Erfahrungen gehe ich davon aus, dass er auch Kaninchen, Rehe und anderes Getier jagen würde. Schließlich ist das alles Beute. Erfreulicherweise verhält er sich völlig neutral bei Zweibeinern, Joggern, Radfahrern etc. und zeigt sich unerschrocken auf stark frequentierten Straßen. Nebenbei sei noch erwähnt, dass Magic bei jedem ein gern gesehener Gast ist. Trotz seines Temperaments weiß er sich gut zu benehmen und ist ein angenehmer und unauffälliger (mal abgesehen von der Größe, der Farbe und den vielen Haaren, die er im Fellwechsel zurück lässt :-)) Begleiter.

Nachdem nun aus meinem kleinen Eisbären ein stattlicher Jungrüde geworden ist, der sich an der Leine leichtführig zeigt und sich ansonsten sehr bemüht, allen Anforderungen gerecht zu werden, habe ich Stufe Zwei gezündet. Vom Begleithund zum Reitbegleithund.

An einem heißen Sommertag war es soweit. Magic durfte das erste Mal mit Hella und mir gemeinsam in Wald und Flur auf Wanderschaft gehen. Obwohl ich mir sehr sicher war, dass sich alle bestens benehmen würden habe ich auf’s reiten verzichtet. So stapfte ich mit Hella am Halfter und Magic an der Leine los. Nachdem wir zuerst die Straße bewanderten und noch einige Hundebegegnungen hatten durfte Magic losziehen. Brav trottete er vor und benahm sich wie immer auf Spaziergängen. Hella, ein sehr freundliches Isländerpferdchen, stapfte auch brav mit und störte sich erwartungsgemäß auch nicht an einem um sie herumlaufenden Weißen Schäferhund. Dies war ebenfalls erwartungsgemäß. Schließlich waren Magic oder unsere anderen Hunde oft genug im Stall mit um sie herum. Unterwegs trafen wir zwei Reiter, die auch einen Hund dabei hatten. Dieser, gut erzogen, musste sich setzen und wurde, nachdem die Reiter ein Stück weiter waren, abgerufen. Mir war klar, dass Magic in dem Moment ebenfalls mitlaufen wollte. Und genau so war es dann auch. Ich hatte ihn ja schon vorsorglich an die Leine genommen und so konnte ich sein Losstürmen gekonnt parieren. Im Nachhinein war ich aber wieder schlauer. Es war nicht gut, dass ich einfach weiter gegangen bin. Ich hätte ihn auch hinsetzen sollen. Dann hätte ich ihn besser unter Kontrolle gehabt und er wäre nicht losgespurtet. So wie es ja sein sollte. Nun, wir lernen alle täglich dazu und das nächste Mal wird’s besser. Wir zogen also gut gelaunt weiter und Magic benahm sich weiterhin tadellos. Nach einem so guten Start durfte er eine Woche später wieder mit. Diesmal hatte ich mir vorgenommen, zwischendurch zu reiten. Ich entschied mich für eine Runde, bei der ich mehr offenes Feld hatte und möglichst wenig Wald. Dafür durfte ich mehrmals Straßen überqueren. Das hieß für mich, oft absteigen, Hund anleinen, Straße überqueren usw. Doch erst einmal stand die Premiere an: wie stellt er sich an, wenn ich auf dem Pferd hocke??? Antwort: so wie immer. Ohne Probleme akzeptierte Magic meine Anweisungen auch vom Pferd aus. So zogen wir guter Dinge im Schritt davon. Mein Hund fühlte sich wohl, markierte wo er konnte und genoss sichtlich den Spaziergang. Er benahm sich so gut, dass ich es wagte ihn vor einer Straße abzulegen, vorauszureiten, die Lage zu erkunden, und ihn dann zu rufen. Wir passierten die Straße vorbildlich und konnten den Ritt ohne weitere Unterbrechung fortsetzen. Nach so einem guten Verlauf wagte ich es dann, eine Strecke zu traben. Zuerst leicht irritiert, nahm Magic ohne das ich was sagte links neben mir auf Höhe der Hinterhand des Pferdes Position ein und trabte mit. Nanu, so klar war das für ihn? Toll der Hund. An einer Wiese gab es eine herrliche Galoppstrecke. Da hier viel Platz für Pferd und Hund war wagte ich mich an die schnelle Gangart. Magic war auch dabei sehr bemüht, das Richtige zu tun. Allerdings war er etwas zu nah. Auf meinen Zuruf, er solle weiter weg gehen, zog er hinter das Pferd und lief hinterher. Auch hier war er mir zu nah. Ich rief ihn an die Seite und gab ihm zu verstehen, er solle von uns Abstand halten. Dies tat er und wir konnten auch diese Erfahrung abhaken. Ich muss an dieser Stelle ein großes Lob an mein Hella-Heu loswerden. Sie zeigte sich, trotz meiner Anspannung, relativ gelassen und gab gut Acht auf Magic. Stand er mal im Weg, hielt sie an, War er ihr dicht an der Hinterhand, hat sie sich auch nicht gerührt. Nach so viel Erfolg ging es ruhigen Schrittes in den Stall. Dort hatten sich alle einen großen Napf Wasser verdient. Am nächsten Tag zogen wir erneut los. Viel entspannter als am Vortag suchten wir uns eine schöne Runde. An den Straßen wurde abgestiegen, Hund angeleint, Straße überquert, alles wieder versorgt und aufgestiegen. Wir zogen an kleinen Kuhherden vorbei: Magic benahm sich brav. Dann begegneten wir einer Horde Krähen auf der Wiese. Hier war klar, da kommt jetzt der Jagdtrieb durch. Und die Tierchen saßen mitten auf unserem Weg. Ich war mir seiner aber so sicher, dass ich dieses Experiment wagte. Ich nahm ihn „Fuß“ ans Pferd, machte ihm stimmlich klar, dass es jetzt nix mit jagen war, und zog weiter. Bei jedem Zucken seiner Ohren gab’s ein scharfes „Nein“. Magic schaute zwar gebannt den Vögeln zu, hatte aber immer ein Ohr für mich und blieb brav am Pferd. Auch wagten wir uns in den Wald, Magic und die Umgebung ständig im Auge. Hm, was roch das gut im Wald. Doch entgegen meiner Befürchtungen, dass er jetzt kein Auge mehr für mich hat, ging es wirklich gut mit ihm. Jede noch so kleine Andeutung von Magics Nase, dass hinter dem Gebüsch die Duftspur weiter geht wurde von mir mit einem „raus da“ quittiert. Mein Ziel geht dahin ihn so zu konditionieren, dass er gerne riechen darf, aber den Weg auf keinen Fall verlassen darf. Bisher mit Erfolg. Was nun auf der Tagesordnung stand war, dass mein Hund sich nur ein kleines Stück von meinem Pferd entfernen sollte. Dies kannte er zwar schon von Spaziergängen mit mir, doch mit den ganzen neuen Sinneseindrücken ist es schon ein wenig anders. In den ersten 10 Minuten merkte ich, dass er mental nicht immer bei mir war. So stand für die Zeit an ihm zu vermitteln, dass er sich trotz der ganzen interessanten Dinge an mir zu orientieren hatte. Dafür musste ich an einem Tag häufiger mal die Richtung wechseln. Nach dieser Aktion war er so verwirrt, dass er es vorzog direkt in meiner Nähe zu bleiben. Erfolg der Sache war langfristig, dass er beim Vorauslaufen immer wieder anhielt und sich nach uns umdrehte. Tat er das nicht gab es einen kurzen Pfiff und er stand.

Der nächste Ausflug mit Hund stand an einem superheißen Sommertag an. Um weder Pferd noch Hund zu überlasten habe ich mir die kurze „Harry“-Runde ausgesucht. Harry ist der letzte „Eifel-Cowboy“ und wohnt auf seiner Rodeo-Ranch, die in einem wunderschönen Tal liegt. Vor über 20 Jahren hat er sich dort niedergelassen und lebt ein sehr einfaches Leben ohne Strom, Heizung und Telefon. Die Wasserversorgung ist durch einen kleinen Fluss gewährleistet, der sich durch sein Tal schlängelt. Er ist freundlich, offen und immer für ein Schwätzchen zu haben. Wer einmal in unsere Gegend kommt sollte unbedingt mal bei ihm vorbei schauen. Man muss nur nach Harry’s Rodeo-Ranch fragen, jeder kennt den Weg zu ihm. An seinem Grundstück entlang schlängelt sich ein wunderbarer Waldweg mit Naturboden. Es ist immer ein wenig kühler dort, für einen heißen Sommertag also bestens geeignet. Um dorthin zu gelangen mussten wir allerdings zuerst an einigen Feldern vorbei, dann einen ganz schmalen und steilen Naturweg (offizieller Wanderweg Eifelsteig) bis hinab auf die Landstraße. Nur wenige Meter weiter ist man dann schon auf dem großen Parkplatz vor Harry’s Tal. Dort war es an dem Tag sehr leer. Ich setzte mich mit Magic ein wenig in den Schatten, Hella durfte grasen. Frisch ausgeruht und gestärkt galoppierten wir locker den schmalen Weg entlang. Das letzte Stück Weg, welches über und entlang der Straße ging musste mein Hund an die Leine. Zum ersten Mal probierte ich aus wie er sich vom Pferd aus an der Leine verhielt. Ich traue es mich kaum zu sagen: auch hier zeigte sich das Gespann Magic/Hella vorbildlich. Einziger Wehrmutstropfen an der Sache ist, dass sich mein Hund nur an meiner linken Seite führen lässt und somit auch nur links vom Pferd geht. Gerne hätte ich ihn an der Straße immer zwischen Pferd und Straßenrand gehabt. Da ich aber häufig „mit dem Verkehr“ reite müsste Magic teilweise zur Straßenmitte hin laufen. Auf der Schnellstraße für mich absolut indiskutabel. Zu schnell fahren da die Autos und LKW’s und wie leicht ist so ein Hund mal übersehen. Im Dorf habe ich mich dazu entschlossen, ihn so mitzuführen. Hier fahren die Autos angemessen und achten sehr auf meinen Hund. An der Schnellstraße steige ich ab, führe das Pferd zur Straßenmitte hin und meinen Hund am Straßenrand.

Wenn ich Magic anleine, muss ich derzeit immer noch vom Pferd absteigen. Da ich von Natur aus versuche, es mir so angenehm wie möglich zu machen, habe ich mir eine spezielle Reitleine gebastelt. Dazu habe ich mir ein breites, stabiles Gurtband aus dem Outdoor-Bedarf gekauft, einen Gummistopper, einen D-Ring und eine flache Klemme zur Befestigung des D-Rings. Daraus habe ich eine Leine gebastelt, die man aufziehen kann, über den Hundekopf stülpen kann und nach dem zuziehen (mit Stopper, somit kein Würger) der Hund an der Leine ist. Ich fand meine Konstruktion ziemlich genial. Leider hat sie mein Leben nicht wirklich erleichtert. Entweder sitz mein Hund zu weit weg, Hella bewegt sich, weshalb Magic wieder aufsteht, oder das sehr leichte Gurtband weht im Wind. Bisher ist es mir erst einmal gelungen, Magic vom Pferd aus anzuleinen. Da es jedoch meistens an den beiden Tieren liegt warum es nicht klappt bin ich mir sicher, dass mit viel Übung auf beiden Seiten die Trefferquote höher wird. Solange heißt es für mich auf- und absteigen. Das hält jung und fit. :-)

Die nächste Zeit nahm ich Magic immer mal wieder mit und erlebte viele Begegnungen mit Menschen, weniger mit Hunden. Ich habe mich dazu entschlossen, Magic bei Hundebegegnungen grds. an die Leine zu nehmen und die Strecke am fremden Hund vorbei zu Fuß zu laufen. So habe ich meine beiden Tiere bestens unter Kontrolle. In dieser Zeit stellte sich auch heraus, dass die Idee mit meiner selbst gebastelten Leine zwar grds. gut war, in der Realität aber nicht die sicherste Variante darstellte. Zu leicht konnte Magic durch eine Kopfdrehung aus der Leine schlüpfen. Dies passierte uns auf einer vielbefahrenen Landstraße. Mein Hund drehte den Kopf einmal rechts und einmal links und schon hatte ich einen frei bei Fuß laufenden Hund. Das ist toll, aber das möchte ich nicht an einer Straße. So entschloss ich mich, ihn zukünftig wieder normal an seinem Geschirr anzuleinen. Zum Anleinen muss ich dann zwar absteigen, aber das Ableinen funktioniert vom Pferd aus. Damit können wir alle gut leben und ich fühle mich einfach sicherer.

Begegnungen mit Fußgängern, Joggern, Radfahrern laufen völlig relaxt ab. Sobald ich jemanden sehe rufe ich Magic ein „Platz“ hin, woraufhin er sich an Ort und Stelle hinlegt und da auch bleibt. Fußgänger und Jogger können ihn so ohne Belästigung passieren. Bei Radfahrern kann ich ihn seinen Weg laufen lassen, da stört er sich gar nicht dran.

Längere Unterbrechung…

Ende Oktober stand eine längere Unterbrechung für meinen Hund bevor. Leider nix Gutes, aber es musste sein. Magic ist Kryptorchide (im Volksmund “Einhoder” genannt) und hatte einen nicht abgestiegenen Hoden. Wenn ich auch kein Freund unnötiger Kastrationen bin, so habe ich mich nach langer Überlegung doch dazu entschlossen, ihm diese größere OP anzutun. Mit 1 ½ Jahren war er noch jung genug, eine OP zu verdauen. Theoretisch hätte ich auch warten können, bis der innen liegende Hoden Entartungen zeigt. Aber das kann man auch mit Ultraschall nur ungenügend beurteilen. Und dann, wenn er tumorös ist, ist seine Entfernung gar nicht mehr so einfach. Also stand der finale Schnitt bzw. die finalen Schnitte bevor. Die Tierklinik Staudacher hat auch hier einmal wieder hervorragende Arbeit geleistet. Ohne überflüssige Schnitte hat man den Kaffeebohnengroßen Hoden im Bauchraum gefunden und entfernt. Das normale Pendant war dagegen ein Klacks. Als ich seine Männlichkeit so vor mir liegen sah war ich mir endgültig sicher, das Richtige getan zu haben.

Lange Rede kurzer Sinn: Magic hat alles sehr gut überstanden, ließ sich brav von mir die Fäden ziehen, durfte aber relativ lange nicht mit am Pferd gehen. Kaum durfte er wieder, wurde ich sehr lange krank. In der Zeit meiner Genesung habe ich viel mit meinen Hund ohne Pferd trainiert. Zuerst daheim, und als ich wieder halbwegs das Haus verlassen konnte, sind wir täglich spazieren gegangen. In der Winterlandschaft habe ich meine Kondition aufgebaut und an Magic’s Leinenführigkeit gefeilt. Ebenso haben wir das „Sitz“ und „Platz“ auf Entfernung vertieft. Dies ist m.e. eines der wichtigsten Hilfsmittel bei der Kontrolle seines Hundes. Dieses intensive Training führte bei Magic zu einem „Mitdenken“. Teils setzte er sich vor einer Kurve sogar ohne Aufforderung hin und wartete auf ein „Go“ von meiner Seite.

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(c) copryright Barbara Mattke-Mehlgarten